ver.di-Fachgruppe Energiewirtschaft kritisiert Rentenempfehlungen der Alterssicherungskommission in Deutschland; Einstimmig beschlossen Merz plant Gesetzentwurf

Rentenreform und Altersteilzeit in der Energiewirtschaft | ver.di

Rentenreform und Altersteilzeit in der Energiewirtschaft

Die aktuell diskutierten Empfehlungen der Alterssicherungskommission betreffen die Energiewirtschaft an zwei Punkten besonders: Viele Beschäftigte haben ihr Arbeitsleben früh mit einer dualen Ausbildung begonnen und kommen entsprechend auf lange Erwerbsbiografien. Gleichzeitig wird Altersteilzeit in der Branche besonders stark genutzt. Unsere ver.di-Fachgruppe Energiewirtschaft kritisiert deshalb die Vorschläge zur Rente mit 67+ und zur Abschaffung des Blockmodells der Altersteilzeit.

Die Alterssicherungskommission hat ihre Empfehlungen einstimmig beschlossen, diese will Bundeskanzler Friedrich Merz ohne weitere Anpassung umsetzen. Die Bundesarbeitsministerin soll auf dieser Grundlage einen Gesetzentwurf erarbeiten. Damit geht es noch nicht um bereits geltendes Recht, sondern bisher nur um die geplanten Änderungen – hier im Überblick:

Rente mit 67+ soll lange Erwerbsbiografien stärker belasten

Kritisch sehen wir vor allem die Pläne für besonders langjährig Versicherte. Die abschlagsfreie Rente für Beschäftigte mit langen Versicherungszeiten soll nach den Empfehlungen entfallen. Wer früher in Rente geht, müsste mit Abschlägen rechnen. Für Menschen, die bereits mit einer Ausbildung früh ins Berufsleben gestartet sind, bedeutet das: Trotz jahrzehntelanger Erwerbsarbeit verschiebt sich der abschlagsfreie Renteneintritt weiter nach hinten.

Die Alterssicherungskommission rechnet mit unmittelbaren Einsparungen von 430 Millionen Euro pro Jahr sowie künftig mit 6,5 Milliarden Euro pro Rentenzugangsjahrgang. Hinzu kommen erwartete Einsparungen durch Abschläge bei einem früheren Renteneintritt. Aus Sicht der Fachgruppe werden damit gerade lange Erwerbsbiografien zusätzlich belastet.

Vorgesehen sind zwar Härtefallregelungen für Menschen, die gesundheitlich nicht länger arbeiten können. Wir warnen jedoch davor, den Zugang zum früheren Ruhestand von zusätzlichen Prüfungen abhängig zu machen. Entscheidend muss sein, ob Beschäftigte nach einem langen Arbeitsleben tatsächlich noch gesund weiterarbeiten können.

Die Alterssicherungskommission schlägt außerdem vor, das Blockmodell der Altersteilzeit abzuschaffen. Für die Energiewirtschaft ist das von besonderer Bedeutung. Altersteilzeit ermöglicht Beschäftigten einen planbaren Übergang in den Ruhestand und hilft Betrieben gleichzeitig, Personalveränderungen sozialverträglich zu organisieren.

Wir widersprechen der Begründung, das Blockmodell fördere Frühverrentung und verschärfe den Fachkräftemangel. So zeigt auch der DGB-Index Gute Arbeit: 40 Prozent der Beschäftigten sehen sich nicht in der Lage, bis zur Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten. In körperlich belastenden Berufen liegt der Anteil nach den dort angeführten Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bei über 60 Prozent.

Fällt ein flexibler Übergang weg, bleiben gesundheitliche Belastungen trotzdem bestehen. Beschäftigte könnten dann häufiger über Erwerbsminderung, Krankengeld oder Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das verschiebt Belastungen lediglich in andere Bereiche der sozialen Sicherung.

Auch für die Transformation der Energiewirtschaft ist Altersteilzeit ein wichtiges Instrument. Das Blockmodell schafft planbare Übergänge, ermöglicht Wissenstransfer und kann Personalabbau sozialverträglich begleiten. Gerade bei Digitalisierung, Automatisierung und Strukturwandel bietet es Betrieben und Beschäftigten Planungssicherheit. Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ( IAB ) kann Altersteilzeit betriebsbedingte Kündigungen um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Das Kostenargument überzeugt ebensowenig. Die indirekten Kosten des Blockmodells liebgen bei ein bis zwei Milliarden Euro und werden zu einem erheblichen Teil über Arbeitgeberfinanzierung und Wertguthaben getragen. Zugleich könnten ohne flexible Übergänge die Kosten für Krankengeld und Erwerbsminderungsrenten steigen.

Altersteilzeit verteidigen – am 26. September gemeinsam protestieren

Rentenpolitik muss lange Erwerbsbiografien, gesundheitliche Belastungen und die betriebliche Realität berücksichtigen. Gerade Beschäftigte, die früh mit einer dualen Ausbildung ins Berufsleben gestartet sind, dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie bereits jahrzehntelang gearbeitet haben.

Damit sind unsere Forderungen klar:

Wir setzen uns stattdessen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Altersteilzeit ein. Dabei sind mehrere Ansätze denkbar:

ATZ+ soll Altersteilzeit systematisch mit Wissenstransfer und der Qualifizierung von Nachwuchskräften verbinden.

Ein Gesundheitsbonus soll Betriebe dabei unterstützen, Altersteilzeit mit Präventionsprogrammen zu kombinieren.

Ein Transformationsfonds der Sozialpartner soll die Finanzierung stabilisieren und flexible Übergänge auch im Strukturwandel sichern.

Ein ATZ-Light-Modell soll dafür sorgen, dass Altersteilzeit auch für Beschäftigte mit niedrigerem Einkommen erreichbar bleibt.

Am 26. September für Rente und Sozialstaat demonstrieren

Mit diesen Forderungen rufen wir die Beschäftigten unserer Branche zu den bundesweiten Demonstrationen am 26. September 2026 auf.

Unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ finden in 15 Großstädten Kundgebungen des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften statt. Gemeinsam fordern wir eine verlässliche Rente, den Erhalt sozialer Sicherheit und einen starken Sozialstaat.

Weitere Informationen zum bundesweiten Aktionstag:

  1. September 2026: Rette mit uns den Sozialstaat | ver.di-Sonderseite zum Aktionstag

Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente. | DGB-Infos zum Aktionstag

Downloads und mehr zum Thema

Positionspapier zu aktuellen Bestrebungen der „Rentenreform“ ver.di Energiewirtschaft, 09

26 PDF | 1235 kB

Positionspapier zu aktuellen Bestrebungen der „Rentenreform“

Stellungnahme: Rente mit 67+ ver.di Energiewirtschaft, 09

26 PDF | 511 kB

Altersteilzeit im Blockmodell: Warum wir es verteidigen müssen ver.di Energiewirtschaft, 09

26 PDF | 532 kB

Altersteilzeit im Blockmodell: Warum wir es verteidigen müssen

Empfehlungen der Alterssicherungskommission (PDF-Datei) | BMAS, 06

Empfehlungen der DGB-Rentenkommission für ein zukunftsfähiges und tragfähiges Alterssicherungssystem für alle Generationen | DGB, 06

Rentenpolitik und Rentenreformen: Fakten und Argumente | WSI Policy Brief Nr. 98, 06

Aktionstag am 26. September: Rette mit uns den Sozialstaat

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