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title: "EHB-Forschungsteam untersucht Stellenaussichten nach tertiären Abschlüssen in der Deutschschweiz; FH-Bachelor in Hochlohnberufen vorn"
sdDatePublished: "2026-09-14T13:47:00Z"
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  - "Switzerland"
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EHB-Forschungsteam untersucht Stellenaussichten nach tertiären Abschlüssen in der Deutschschweiz; FH-Bachelor in Hochlohnberufen vorn

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Berufe
Chance auf eine Stelle je nach Abschluss
Tertiäre Bildungsabschlüsse im Vergleich
Wie der Abschluss die Chance
auf eine Stelle beeinflusst
Von Antje Stefani, Miriam Grønning und Irene Kriesi
Wer eine höhere Berufsbildung (HBB) abschliesst, hat
auf dem Stellenmarkt oft Vorteile. In zahlreichen Beru­
fen mit mittlerem Lohnniveau verfügen Absolventin­
nen und Absolventen einer HBB über die besten Chan­
cen auf eine Stelle (siehe Grafik). Sucht ein Unternehmen
beispielsweise eine Bürofachkraft im Finanzwesen oder
eine/-n Elektronik-Servicetechniker/-in, stellt es in der
Regel lieber jemanden mit einem eidgenössischem Fach­
ausweis oder Diplom ein als jemanden mit einem Fach­
hochschul- oder Universitätsbachelor.
Das ändert sich mit zunehmendem Lohnniveau. In
hochbezahlten Berufen wie zum Beispiel Elektronik­
ingenieur/-in oder als Führungskraft im Finanzbereich
haben Personen mit einem Fachhochschulbachelor die
Nase vorn. Interessant dabei: Personen mit einem uni­
versitären Bachelor haben in diesen Berufen nicht die
höheren Chancen, eingestellt zu werden als Personen
mit einer HBB.
Was ebenfalls deutlich wird: Wer einen Fachhoch­
schulbachelor hat, wird insgesamt häufiger für eine Stel­
le favorisiert als Personen mit einem universitären Ba­
chelorabschluss. Dieser Vorteil ist besonders in Berufen
mit mittlerem Lohnniveau ausgeprägt, in Berufen mit
höherem Lohnniveau nimmt er jedoch deutlich ab.
Diese Zusammenhänge zeigt eine neue Studie eines
EHB-Forschungsteams um Professorin Irene Kriesi. Erst­
mals hat dieses für ein breites Spektrum an Berufen und
Fachrichtungen für die Deutschschweiz untersucht, wel­
che Chancen Personen mit unterschiedlichen tertiären
Bildungsabschlüssen in der frühen Berufslaufbahn auf
eine Stelle in Berufen mit einem mittleren bis hohen
Lohnniveau haben. Insgesamt wurden 31 Ausbildungs­
felder berücksichtigt, in denen mindestens zwei der drei
möglichen tertiären Ausbildungswege etabliert sind.
Dazu zählen Bachelorabschlüsse einer Universität oder
einer Fachhochschule sowie Abschlüsse der höheren
Berufsbildung.
Für die Studie wählten die Forschenden reale Stellen­
anzeigen aus und präsentierten den Rekrutierungsver­
antwortlichen jeweils in einer Umfrage die Dossiers acht
fiktiver Bewerbender. Deren Bildungsabschluss, Berufs­
erfahrung, Noten und Geschlecht wurden gezielt vari­
iert. Anschliessend gaben die rund 1500 Befragten für
jede Person an, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie die­
se für die Stelle berücksichtigen würden. Ausserdem be­
urteilten die Rekrutierungsverantwortlichen, ob die Be­
werbenden ihrer Einschätzung nach den Erwartungen
des Teams entsprechen und wie produktiv und fachlich
kompetent sie wirken. Zudem schätzten sie ein, ob die
Personen zu hohe Lohnvorstellungen haben und wie lan­
ge sie voraussichtlich im Betrieb bleiben würden.
Höhere Berufsbildung, Fachhochschule oder Universität: Im Schweizer
Bildungs system existieren auf der Tertiärstufe mehrere Bildungswege,
die Personen für das gleiche Berufsfeld qualifizieren. Doch wer hat mit
 welchem Abschluss die besten Chancen, von Arbeitgebenden eingestellt
zu werden? Und warum? Forschende der EHB haben dies mit einem
Umfrageexperiment bei Rekrutierungsverantwortlichen untersucht. Dabei
zeigte sich: Ein akademischer Abschluss ist nicht automatisch ein Plus.
Das Lohnniveau des Berufs wird anhand einer Einkommenspotenzialskala gemessen, die der Schweizer
Soziologe Daniel Oesch mit Kolleginnen und Kollegen entwickelt hat, und kann die Werte 0 bis 
100 annehmen. Ein Lohnniveau von 50 entspricht dem mittleren Einkommen in der Bevölkerung.
Berufe mit mittlerem Lohnniveau
Einstellungschancen
Berufe mit hohem Lohnniveau
Höhere Berufsbildung
Fachhochschul-Bachelor
Universitärer Bachelor
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
40
50
60
70
80
90
← Illustration von Lea-Marie Di Domenico, Fachklasse Grafik, Schule für Gestaltung Bern und Biel
Quelle: EHB

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Berufe
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Berufe
Unterschiedliche öffentliche Wahrnehmung
Im Schweizer Arbeitsmarkt ist der Zugang zu den meis­
ten Berufen an bestimmte Ausbildungsabschlüsse
gebunden. Während für einige Berufe, etwa den der
Rechts anwältin und des Rechtsanwalts, ein universitä­
rer Abschluss in Rechtswissenschaften erforderlich ist,
können viele andere Berufe über unterschiedliche Bil­
dungswege erlernt und ausgeübt werden. Dies gilt ins­
besondere für Berufe, die einen Tertiärabschluss auf
Bachelorniveau voraussetzen, der über die höhere Be­
rufsbildung, an einer Fachhochschule oder an einer Uni­
versität erworben werden kann. Zum Beispiel lässt sich
im Bereich Elektrotechnik über alle drei Bildungswege
ein ähnliches Tätigkeitsfeld erreichen, etwa in der Ent­
wicklung, der Projektleitung oder dem Betrieb von tech­
nischen Anlagen. In der öffentlichen Wahrnehmung wer­
den diese Abschlüsse jedoch nicht gleich bewertet: Dem
Universitätsabschluss werden im Vergleich zum Fach­
hochschulabschluss und dem Abschluss einer höheren
Berufsbildung häufig der höchste Status und die besten
Chancen auf ein hohes Einkommen zugeschrieben.
Die Bildungspolitik betont jedoch die formale Gleich­
wertigkeit der verschiedenen tertiären Bildungswege auf
dem Arbeitsmarkt. So soll etwa die neue zusätzliche Be­
zeichnung «Professional Bachelor» für Abschlüsse der
höheren Berufsbildung deren Sichtbarkeit und Attrakti­
vität erhöhen. Diese politische Aufwertung ist auch des­
halb relevant, weil die höhere Berufsbildung eine zentra­
le Rolle im Schweizer Bildungssystem spielt: Der neuste
Bildungsbericht von 2026 zeigt, dass von den insgesamt
rund 94 000 Tertiärabschlüssen im Jahr 2024 etwa ein
Drittel auf die höhere Berufsbildung, knapp ein Fünftel
auf die Fachhochschulen und knapp die Hälfte auf die
Universitäten entfällt. Bei den Abschlüssen auf Bachelor­
niveau stammt laut Bundesamt für Statistik sogar rund
die Hälfte aus der HBB und je rund ein Viertel aus den
Fachhochschulen und den Universitäten.
Absolventinnen und Absolventen der HBB weisen ei­
ne sehr hohe Beschäftigungsquote auf. Diese liegt beim
Berufseinstieg mit rund 95 Prozent sogar etwas höher als
bei Universitäts- und Fachhochschulabsolventinnen und
-absolventen, bei denen sie je knapp über 90 Prozent be­
trägt. Dennoch werden die Arbeitsmarktchancen mit ei­
nem HBB-Abschluss häufig unterschätzt.
Es zeigen sich allerdings nicht nur in der aktuellen Stu­
die gewisse Nachteile von Personen mit einer HBB in Beru­
fen mit hohem Einkommen. Eine Studie der EHB aus dem
Jahr 2021 zum «Wert von Ausbildungen auf dem Schwei­
zer Arbeitsmarkt» verdeutlichte, dass Personen mit ei­
nem Abschluss der höheren Berufsbildung durchschnitt­
lich ein tieferes Einkommen erzielen als Erwerbstätige mit
einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Ein
Grund dürfte darin zu suchen sein, dass bestimmte, beson­
ders status- und einkommensstarke Berufe ausschliesslich
über den universitären Bildungsweg zu erreichen sind und
einen Masterabschluss voraussetzen.
Unterschiedliche Erwartungen der Arbeitgebenden
Interessiert hat in der aktuellen EHB-Studie auch die
Frage, wie sich die unterschiedlichen Einstellungschan­
cen der Bewerbenden erklären lassen. Sie haben auch
damit zu tun, welche Eigenschaften Arbeitgebende mit
Bildungsabschlüssen verbinden. Fachhochschul- und
Universitätsstudiengänge vermitteln häufig eher theo­
retisches und analytisches Wissen, während die höhere
Berufsbildung stärker praxisorientiert ist.
Neben solchen fachlichen Zuschreibungen können
weitere Faktoren eine Rolle spielen: wie gut jemand ins
Team passt, was für Gehaltsvorstellungen jemand hat
oder auch die wahrgenommene Produktivität, Lernfähig­
keit oder die erwartete Verbleibdauer im Betrieb. All die­
se Elemente können von Rekrutierungsverantwortlichen
je nach Bildungsabschluss unterschiedlich eingeschätzt
werden – und die Einstellungschancen beeinflussen.
In mittel bezahlten Berufen bevorzugen Arbeitgeben­
de Absolventinnen und Absolventen der höheren Be­
rufsbildung vor allem deshalb, weil sie davon ausge­
hen, dass diese besser ins Team passen und länger im
Betrieb bleiben als Personen mit einem universitären
oder einem Fachhochschulbachelor. Personen mit ei­
nem HBB- Abschluss werden zudem in diesen Berufen
als produktiver wahrgenommen als Personen mit ei­
nem universitären Bachelorabschluss.
In gut bezahlten Berufen verändert sich das Muster:
Absolventinnen und Absolventen einer Fachhochschu­
le punkten besonders damit, dass ihnen attestiert wird,
besser ins Team zu passen und mehr theoretisches Wis­
sen zu haben. Das verschafft ihnen bei der Stellenbeset­
zung einen spürbaren Vorteil gegenüber Personen mit
einem HBB-Abschluss.
Anders fällt der Vergleich zwischen Personen mit ei­
nem HBB-Abschluss und jenen mit einem universitären
Bachelorabschluss aus. Zwar erkennen Arbeitgebende
bei Personen mit einem Universitätsabschluss in einzel­
nen Bereichen klare Stärken wie ihr theoretisches Wissen
oder haben den Eindruck, dass sie besser ins Team passen.
Gleichzeitig sehen sie aber auch Vorteile bei den Personen
mit einem HBB-Abschluss, zum Beispiel, dass diese eher
tiefere Lohnvorstellungen haben. Diese unterschiedliche,
aber letztlich ausgeglichene Zuschreibung positiver Eigen­
schaften führt dazu, dass beide Gruppen in gut bezahlten
Berufen ähnlich gute Chancen auf eine Stelle haben.
Verschiedene Wege – ähnliche Chancen
Bildungsabschlüsse spiegeln also nicht nur formale
Qualifikationen wider, sondern transportieren auch Er­
wartungen und Zuschreibungen, die je nach Beruf den
Zugang zu Arbeitsplätzen und Einkommenspositionen
prägen. Besonders auffällig ist dabei die grosse Bedeu­
tung der Frage, wie gut jemand in ein Team passt. Damit
wird deutlich, dass Beschäftigungschancen nicht allein
von fachlichen Qualifikationen abhängen. Welche kon­
kreten Eigenschaften ausschlaggebend dafür sind, dass
Arbeitgebende eine Person als gut ins Team passend ein­
schätzen, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht
abschliessend bestimmen. Naheliegend ist jedoch, dass
neben dem fachlichen Profil auch das Auftreten und die
wahrgenommene Ähnlichkeit zu bestehenden Teammit­
gliedern eine Rolle spielen.
Die Ergebnisse der Studie legen ausserdem nahe: In
Berufsfeldern, in denen sowohl Abschlüsse der höheren
Berufsbildung als auch Hochschulabschlüsse etabliert
sind, eröffnen alle Bildungswege vergleichbare Chancen
auf eine Stelle in einem Beruf mit hohem Lohnniveau,
wobei Fachhochschulabschlüsse leicht im Vorteil sind.
Dies relativiert die verbreitete Annahme, dass akademi­
sche Abschlüsse der höheren Berufsbildung grundsätz­
lich überlegen sind.
■ Dr. Antje Stefani, Senior Researcher Forschungsfeld Institutionelle
Bedingungen der Berufsbildung, EHB  ■  Dr. Miriam Grønning, Senior
Researcher Forschungsfeld Institutionelle Bedingungen der Berufs­
bildung, EHB  ■  Prof. Dr. Irene Kriesi, Co-Leiterin Forschungsschwer­
punkt Steuerung der Berufsbildung, EHB
▶ www.ehb.swiss/ausbildungszertifikate-stellenbesetzung
▶ www.ehb.swiss/wert-ausbildungen-schweizer-arbeitsmarkt
↑ Illustration von Lea-Marie Di Domenico, Fachklasse Grafik,
Schule für Gestaltung Bern und Biel
Höhere Berufsbildung: der praxisnahe Tertiärabschluss
Die höhere Berufsbildung (HBB) ist in der Schweiz der praxisorientierte
Weg auf Tertiärstufe. Sie baut in der Regel auf einer beruflichen
­Grundbildung auf und qualifiziert erfahrene Fachkräfte für spezialisierte
oder leitende Positionen. Die HBB umfasst die eidgenössischen
­Berufsprüfungen, eidgenössischen höheren Fachprüfungen und die
Abschlüsse der Höheren Fachschulen. Sie ermöglicht Personen mit
­einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis ohne Berufsmaturität den
Zugang zu einem Tertiärabschluss. Zudem versorgt sie den Arbeits­
markt mit praxisnah ausgebildeten Fachkräften, deren Qualifikationen
eng auf die Anforderungen der Wirtschaft ausgerichtet sind.