Fraunhofer ISE Studie: Kolumbien wird Standort für nachhaltige Kraftstoffe und Wasserstoffderivate; EU-Nachfrage steigert Exportchancen für Kolumbiens Kraftstoffe

Eine Studie von Fraunhofer ISE zeigt: Kolumbien kann zum Standort für nachhaltige Kraftstoffe und Wasserstoffderivate werden

Eine Studie von Fraunhofer ISE zeigt: Kolumbien kann zum Standort für nachhaltige Kraftstoffe und Wasserstoffderivate werden

72 identifizierte Wasserstoffprojekte mit mehr als 9 Gigawatt angekündigter Leistung, aber nur sieben Vorhaben für kohlenstoffhaltige Produkte wie Methanol oder synthetische Kraftstoffe: Eine neue Studie von Fraunhofer ISE im Rahmen des CatalHyst-Projekts von BDI und ANDI Naturgas zeigt, wie Kolumbien diese Lücke schließen und sich als wichtiger Anbieter nachhaltiger Kraftstoffe für internationale Märkte positionieren kann.

Nutzung vorhandener Ressourcen durch hybride Power-to-X- und Biomass-to-X-Projekte

Die Studie „Power-to-X Colombia 2.0“ erweitert den Blick auf Kolumbiens Wasserstoffwirtschaft. Während die Vorgängerstudie vor allem die hervorragenden Wind- und Solarressourcen in der Region La Guajira in den Mittelpunkt stellten, rückt die aktuelle Untersuchung hybride Power-to-X- und Biomass-to-X-Konzepte in den Fokus. Sie kombinieren erneuerbaren Strom mit biogenen Rohstoffen, vorhandener Industrieinfrastruktur und bestehenden Logistiknetzen.

Drei Regionen, drei konkrete Projekte

Die Analyse konzentriert sich auf Bolívar, Valle del Cauca und Atlántico. Für diese Regionen entwickelt sie konkrete First-Mover-Projekte, die sich an vorhandenen Ressourcen und industriellen Strukturen orientieren:

Bolívar: Produktion von Methanol auf Basis von Deponiegas und grünem Wasserstoff

Valle del Cauca: Herstellung von Sustainable Aviation Fuel (SAF) aus Bioethanol der Zuckerrohrindustrie

Atlántico: Produktion von erneuerbarem Ammoniak zur Versorgung der heimischen Düngemittelindustrie sowie für Export- und Schifffahrtsmärkte Die Projekte nutzen bestehende Industrie- und Hafenstandorte, vorhandene Strom- und Transportinfrastruktur sowie lokale Rohstoffquellen. Dadurch sinken Investitions- und Umsetzungsrisiken gegenüber reinen Greenfield-Projekten.

Europa schafft Nachfrage nach nachhaltigen Molekülen

Ein zentraler Treiber für die Projekte sind die europäischen Vorgaben für nachhaltige Kraftstoffe im Luft- und Seeverkehr. ReFuelEU Aviation, FuelEU Maritime und weitere EU-Regelungen schaffen einen wachsenden Markt für klimafreundliche Energieträger. Die Studie identifiziert dabei regulatorische Standortvorteile auf beiden Seiten des Atlantiks. Besonders relevant sind die Übergangsregelungen für RFNBOs in der EU sowie die vergleichsweise günstigen Rahmenbedingungen für die Nutzung erneuerbarer Energien in Kolumbien. Diese Kombination kann frühen Projekten den Zugang zu attraktiven Exportmärkten erleichtern.

Von der Konzeptphase zur Investitionsreife

Die Studie macht deutlich: Kolumbien verfügt nicht nur über ausgezeichnete erneuerbare Energieressourcen. Die Kombination aus biogenen Rohstoffen, bestehender Infrastruktur und wachsender internationaler Nachfrage eröffnet konkrete Chancen für eine wettbewerbsfähige Power-to-X-Industrie. Jetzt kommt es darauf an, aus Konzepten reale Projekte zu machen.