Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt neue Freihandelsabkommen mit Mercosur, Mexiko, Indien, Australien und Indonesien; Berlin; Neue Freihandelsabkommen binnen Jahresfrist.

Freier Handel und Reformen für Wachstum und Wohlstand

Dienstag, 15. September 2026 in Berlin

Bundeskanzler beim Unternehmertag des BGA Freier Handel und Reformen für Wachstum und Wohlstand

Die Bundesregierung setzt auf neue Handelspartnerschaften, mehr Verteidigungsfähigkeit und Reformen, betonte der Kanzler beim Unternehmertag des Bundesverbands für Groß- und Außenhandel. Zudem kündigte der Kanzler Entlastung bei den Spritpreisen an.

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„Unsere Wirtschaft muss wieder wachsen“, so der Kanzler.

Die Unternehmer des Groß -und Außenhandels wären besonders betroffen von geopolitischen Krisen und handelspolitischen Verwerfungen. Für sie seien funktionierende Lieferketten und faire Handelsbeziehungen systemrelevant, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz beim Unternehmertag des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels. Unter dem Motto „Systemrelevant“ ging es um die schwierige wirtschaftliche Lage, die zunehmenden geopolitischen Spannungen und darum, wie Deutschland wieder wettbewerbsfähiger werden kann.

Freier Handel mit mehr Partnern

Die Bundesregierung arbeite daran, die Abhängigkeiten und Verletzlichkeiten zu verringern, Handelspartnerschaften und Zulieferer zu diversifizieren und für sichere Transportwege zu sorgen. Europa sei erfolgreich, wenn es geschlossen auftrete, auch im Wettbewerb mit China. „Wenn wir geschlossen auftreten, in Deutschland und in Europa, wenn wir an unseren Werten, an Offenheit, Rechtsstaatlichkeit, fairem Wettbewerb, freier Forschung und Entwicklung festhalten, dann haben wir internationales Gewicht“, sagte der Kanzler. Innerhalb eines Jahres sei es gelungen neue Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, Mexiko, Indien, Australien und Indonesien zu schließen.

Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur

„Unsere Wirtschaft muss wieder wachsen“, so der Kanzler. Daher arbeite die Bundesregierung daran, Deutschland zu reformieren sowie die Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Denn diese „zahlt im Ergebnis auf unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ein“. Der Bau von Straßen, Brücken, Bahnlinien und Industrieanlagen werde durch das Infrastrukturzukunftsgesetz beschleunigt. „Das alles wird in den nächsten Monaten spürbar und sichtbar werden“. Die Regierung werde mit der Gesundheitsreform und mit der Rentenreform die Sozialversicherungsbeiträge stabilisieren.

Vorschlag zur Entlastung bei Spritpreisen

Die Energiewende werde mit der EEG -Novelle, dem Netzanschlusspaket und dem Gebäudemodernisierungsgesetz pragmatisch, technologieoffen und kosteneffizient. Aber diese energiepolitische Wende schütze nicht vor den aktuellen Ausschlägen am Benzinmarkt in Folge des Iran-Kriegs.

Durch die steigenden Spritpreise an den Zapfsäulen sei für viele Menschen eine Belastungsgrenze erreicht. „Und ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen“, so der Kanzler. Das genaue Instrumentarium stehe noch nicht fest. „Sie können aber davon ausgehen, dass wir sehr bald einen Vorschlag dazu vorlegen werden.“

Der BGA (Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.) vertritt die Interessen der Unternehmen des Groß- und Außenhandels sowie der B2B-Dienstleistungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Dazu zählen 70 Fachverbände mit mehr als 100.000 Unternehmen, etwa der Agrar- und Autohandel, E-Commerce- und Versandhandel, Pharma-, Metall-, Nahrungsmittelgroßhandel, Personaldienstleister, Logistikservices bis zur Werbeartikel-Wirtschaft.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Herr Jandura,

Kolleginnen und Kollegen aus den Parlamenten,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung! Herzlichen Dank auch für die Einladung, zu Ihrem diesjährigen Unternehmertag des BGA zu kommen! Ich freue mich trotz aller Kritik, hier zu sein, und ich freue mich, dass Sie in diesem Jahr diesen Unternehmertag unter das Motto „Systemrelevant“ gestellt haben. Das ist, wie Sie alle wissen, eigentlich ein Begriff, den wir in der Finanzkrise gelernt haben. Aber nach den Erfahrungen der Pandemie, nach den Erfahrungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, nach den Erfahrungen mit den Kriegen im Mittleren Osten und nach den jüngsten handelspolitischen Verwerfungen wissen wir: Systemrelevanz ist eines der großen, wenn nicht das große Thema unserer Zeit. Sie kennen als Unternehmerinnen und Unternehmer die Bereiche und die Eigenschaften, die Besonderheiten Ihrer Unternehmen, die für das Funktionieren des gesamten Systems unverzichtbar sind. Ja, Sie, der Groß- und Außenhandel, sind systemrelevant.

Wir haben zuletzt erlebt, wie sich in unseren weltweit fein verzahnten Lieferketten der Ausfall eines einzigen Teils wie zum Beispiel eines Zulieferers oder eines Rohstoffs entlang ganzer Wertschöpfungsketten fortsetzt und verstärken kann. Eine solche Kaskade kann ganze Volkswirtschaften zum Erliegen bringen. Solche Abhängigkeiten erhöhen also unsere Anfälligkeit für Krisen, sie schränken unsere Handlungsfähigkeiten ein, und sie können auch als Druckmittel gegen uns verwendet werden. Ein Großteil der Arbeit der Bundesregierung zielt darauf ab, genau diese Abhängigkeiten und diese Verletzlichkeiten unserer Volkswirtschaft ganz umfassend aufzuarbeiten und sie Schritt für Schritt zu verringern. Es geht darum, unsere, wie wir es jetzt sagen, Resilienz, also unsere gesamtgesellschaftliche Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

Spätestens damit, meine Damen und Herren, bin ich an dieser Stelle bei Ihnen und Ihren Unternehmen. Der Königsweg zu mehr Resilienz – Herr Jandura, Sie haben es gesagt – ist nicht Abschottung, sondern ist Diversifizierung, also mehr Handelspartner, mehr Zulieferer desselben Produkts, sichere Transportwege, also das, womit Sie sich in Ihren Unternehmen jeden Tag beschäftigen. Versorgungssicherheit und Widerstandsfähigkeit, das ist das Ergebnis auch Ihrer persönlichen Arbeit, Ihrer oft über Generationen hinweg geleisteten Arbeit, Ihrer Verbindungen, Ihrer Kreativität, Ihrer Fähigkeit, auf all das zurückzugreifen, um im Notfall auch kurzfristig Alternativen in Handelspartnern und Handelsrouten zur Verfügung zu haben. Wenn wir also von Systemrelevanz sprechen, dann sprechen wir oft in abstrakten und in zum Teil sehr technischen Begriffen, als handele sich dabei um ein Problem, das man am Reißbrett lösen kann. Nein, meine Damen und Herren, es ist am Ende konkretes Wissen, es ist die Flexibilität, es sind die Ressourcen einzelner Unternehmen, einzelner Unternehmer und Sie ganz persönlich, meine Damen und Herren, auf die es dann und im Einzelfall auch ankommt.

Zu den neuen Realitäten, mit denen Sie sich in Ihren Unternehmen und wir uns in unserer Volkswirtschaft auseinandersetzen müssen, gehört die fundamentale Veränderung der Handelsbeziehungen der vergangenen Jahrzehnte. Sie haben es angesprochen: Heute verknüpft die Volksrepublik China ihre marktwirtschaftliche Dynamik gezielt mit staatlichen Interventionen, mit Überkapazitäten, aggressiver Preissetzung, mit einer unterbewerteten Währung und mit in hohem Maße subventionierten Exporten. Damit werden unsere Unternehmen im EU -Binnenmarkt und auch auf Drittmärkten massiv unter Druck gesetzt. Sie haben die Zahl angesprochen. Ich will sie noch einmal kurz erläutern und vertiefen. Meine Damen und Herren, es gibt in der Europäischen Union heute nicht mehr ein einziges Land, das noch einen Handelsbilanzüberschuss mit der Volksrepublik China erzielt. Alle 27 Länder der Europäischen Union weisen ein Handelsbilanzdefizit auf, wir alle zusammen von mehr als 300 Milliarden Euro im Jahr, Tendenz in allen 27 Mitgliedstaaten steigend. Wir spüren das ganz besonders in Deutschland. Deutsche und chinesische Unternehmen konkurrieren mittlerweile sehr häufig in unseren traditionellen Kernindustrien. Sie konkurrieren miteinander und gegeneinander im Automobilbau, im Maschinenbau, in der chemischen Industrie.

Sie erleben schließlich – auch das haben Sie angesprochen, Herr Jandura –, dass auch von jenseits des Atlantiks ein anderer Wind weht. Durch das neue US-Zollregime sind Kooperation und Handel mittlerweile deutlich zurückgegangen. Wir sehen, dass immer weniger Staats- und Regierungschefs an den wechselseitigen Nutzen der wirtschaftlichen Öffnung glauben, sondern ganz anders die Rechnung in Nullsummen oder sogar in Übervorteilung und Erpressung suchen.

Meine Damen und Herren, aber wir sind diesen neuen Realitäten nicht einfach nur ausgeliefert. Wir können in dieser Welt unsere Interessen wahren. Wir haben Stärken, die für andere wichtig sind, von denen andere sogar abhängig sind, vor allem, wenn wir geschlossen auftreten, in Deutschland und in Europa, wenn wir an unseren Werten, an Offenheit, Rechtsstaatlichkeit, fairem Wettbewerb, freier Forschung und Entwicklung festhalten. Dann haben wir internationales Gewicht.

Wir in Europa, ja, wir nutzen diese Chancen. Das zeigt sich im Übrigen seit einigen Monaten sehr deutlich. Auch das haben Sie angesprochen. Das Abkommen mit den MERCOSUR -Staaten ist nach 26 Jahren intensiver Verhandlungen unterzeichnet und vorläufig in Kraft getreten. Meine Damen und Herren, das war nicht so ganz selbstverständlich. Wir haben es mit einer knappen qualifizierten Mehrheit im Rat verabschiedet, und ich habe mich entschlossen, das erste Mal in der Geschichte der europäischen Handelspolitik einem Handelsabkommen zuzustimmen, obwohl unser wichtigster Partner in Europa ihm nicht zustimmen konnte, nämlich die Französische Republik. Das war nicht ohne Risiko. Ich habe es trotzdem auf uns genommen, weil die Vorteile dieses Abkommens bei Weitem die Nachteile überwiegen.

Das Abkommen mit Mexiko ist unterzeichnet. Die Abkommen mit Indien, Australien und Indonesien sind politisch geeint, all das, meine Damen und Herren, innerhalb eines Jahres. MERCOSUR , Mexiko, Indien, Australien, all das bedeutet mehr Diversifizierung, höhere Resilienz und neue Räume für Sie, für Ihre Unternehmen, und es geht weiter mit Abkommen mit Malaysia, den Philippinen, Thailand und den Golfstaaten. Sie alle werden intensiv verhandelt.

Vielleicht haben Sie die Bilder noch vor Augen: In der letzten Woche hat uns am letzten Donnerstag und Freitag der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate besucht, Scheich bin Zayed, erst in Berlin und dann in München. Wir haben bei dieser Gelegenheit Investitionen in Deutschland von 40 Milliarden Euro miteinander verabredet und eine ganze Reihe von weiteren bilateralen Abkommen miteinander geschlossen.

Sie sehen also: Wir arbeiten auch über die europäische Handelspolitik hinaus an weiteren Impulsen. Wir wollen sie einsetzen, auch für ein interregionales Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Transpazifischen Partnerschaft CPTPP. Wir wollen die Handelsbeziehungen mit den ASEAN-Staaten vertiefen, und ich unterstütze dabei auch den von der EU -Kommission vorgeschlagenen Aufbau einer Allianz über die WTO hinaus für regelgebundenen Handel mit „like-minded“ Staaten, mit einer starken Rolle für die EU und mit einer engen Partnerschaft mit Kanada, das so europäisch ist, wie es das in der jüngeren Geschichte nie gewesen ist.

Meine Damen und Herren ‑ auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes ‑, wir brauchen wirksame Instrumente, mit denen wir unsere Abhängigkeiten reduzieren und uns gegen unfairen Wettbewerb schützen können. Für die Schärfung unseres handelspolitischen Werkzeugkastens haben wir der EU -Kommission beim Europäisch