Thomas Engelhard erhält Hautersatz-Therapie im Spital Bülach; Nach einem Monat deutliche Heilung
Hautersatz-Therapie im Spital Bülach | Spital Bülach
Thomas Engelhard hat sich das Schienbein angeschlagen. Es blutet ein wenig. Die Wunde ist jedoch klein, nur circa zwei bis drei Millimeter gross, und deswegen nicht besorgniserregend. Engelhard ist überzeugt, dass die Wunde schnell heilt. Nach einigen Tagen entsteht wie gewohnt eine Kruste. Aber die Wunde wird nicht kleiner und es entsteht keine neue Haut und keine Narbe. Auch nach ein paar Monaten ist sie noch nicht verheilt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Waden von Engelhard wegen einer Entzündung der Achillessehne immer mal wieder stark verspannt. Er geht deswegen zur Physiotherapie in die Massage. Aufgrund der Spannung der Haut bei der Massage platzt die Wunde beim Schienbein wieder auf. Innerhalb von zwei Wochen ist sie zwei bis drei Zentimeter gross.
Thomas Engelhard geht nun zu seinem Hausarzt. Dieser schickt ihn direkt ins Ambulatorium «Wunden und Stoma» des Spitals Bülach. In der ersten Sprechstunde schaut sich Wundexpertin Heidi Meili die Wunde genau an. Sie ist zwar nicht besonders gross, aber sie hat sich infiziert, sodass das Bein angeschwollen ist. «Bei solchen Wunden muss nebst den Sofortmassnahmen der Wundversorgung die Ursache ermittelt werden», meint Meili. Aus diesem Grund untersuchen die Wundexpertinnen und die ärztlichen Fachspezialistinnen und Fachspezialisten des Spitals die Wunde genau und klären gleichzeitig die Ursache ab.
Besonderer Fall und lange Abklärungen
Die Ursache einer Wunde und die Faktoren, die ihre Heilung beeinträchtigen, sind nicht immer dieselben. Bei Engelhard sind zunächst mögliche Faktoren wie venöse und arterielle Einschränkungen erkannt und behoben worden. Dennoch heilt die Wunde nicht wie erwartet ab. Konventionelle Methoden der Wundversorgung haben ebenfalls zu keiner Besserung geführt. Bei weiteren Abklärungen erkennt man dann einen ständig erhöhten Blutdruck – sogenannte Hypertonie. Nicht selten können kleine Bagatellwunden bei einer konstanten Hypertonie in eine sehr schmerzhafte und therapieresistente Wunde übergehen. Nach einer durchgeführten Stanzbiopsie wird klar: Engelhard leidet an Ulcus cruris hypertonicum martorell , eine seltene und schmerzhafte Form eines Unterschenkelgeschwürs. Dabei können sich die Kapillargefässe entzünden, was die zusätzlichen Schmerzen erklärt. Eine solche Wunde bessert sich erst, wenn sie gut gesäubert, genügend durchblutet und dann möglichst bald mit Haut bedeckt wird.
Verschiedene Hautersatz-Produkte für verschiedene Fälle
Die Methode der Hautentnahme am Oberschenkel, um damit die Wunde zu decken, wird im Spital Bülach nur noch in besonderen Fällen durchgeführt. Die Eigenhaut-Transplantation ist technisch aufwändiger, da die Patientin oder der Patient in den OP muss und eine Narkose braucht. Zusätzlich entsteht bei diesem Verfahren eine weitere Wunde. Zuletzt heilen Wunden mit Hautersatz-Produkten gleich, wenn nicht sogar besser, als mit Eigenhaut. Vor allem im ambulanten Bereich greifen die Wundexpertinnen in Absprache mit den zuständigen Ärztinnen und Ärzten zu Hautersatzprodukten. Aus diesem Grund entschliesst sich die Wundexpertin bei Engelhard zu einer Hautersatz-Therapie. Im Spital Bülach sind drei Hautersatz-Produkte im Einsatz. Seit einiger Zeit wird Hautgewebe aus der Vorhaut von Routine-Beschneidungen junger Knaben als vitaler Hautersatz eingesetzt. Dabei werden lebende Zellen entnommen, im Labor in den USA tausendfach vervielfältigt und in einer Kollagen-Matrix innerhalb vier bis fünf Tagen ins Spital Bülach geliefert. Zudem wird im Labor hygienisch präparierte und getrocknete Kabeljau-Fischhaut aus Island sowie getrocknete Hautschichten der Plazenta eingesetzt. Welche Haut wann eingesetzt wird, entscheidet die Grösse und Tiefe der Wunde. Vitale Haut, wie die herangezüchtete Haut der Vorhaut, und getrocknete Hautschichten der Plazenta werden bei oberflächigen und grossen Wunden eingesetzt. Die Fischhaut hingegen kann auch bei tiefen und kleinen Wunden eingesetzt werden, da diese einfach und individuell zugeschnitten und gut gelagert werden kann. Die Hautersatz-Therapie bietet viele Vorteile: «Die Patientinnen und Patienten müssen nicht operiert werden und bei der Applikation entfällt die Narkose. Zudem gibt es keine Nähte», betont Meili, «Die Behandlung ist ausserdem für die Patientinnen und Patienten schmerzfrei.»
Nach über einem Monat diverser Abklärungen legt Heidi Meili beim Patienten aufgrund der Wundgrösse die Fischhaut aus Island auf die sorgfältig vorbereitete Wunde auf. Die Fischhaut ist so aufbereitet, dass sie die normale Wundheilung anregt. Dabei gibt die Fischhaut Botenstoffe an den Körper ab, welche die Bildung neuer körpereigener Hautzellen fördern. Zunächst ist sich der Patient noch unsicher, ob die Fischhaut die Wundheilung vorantreibt, denn in den nächsten zwei Wochen sieht er noch keine wesentlichen Fortschritte. Doch er bleibt positiv. Auch Meili ist überzeugt, dass sich so die Wunde schliessen wird. Sie weiss aus Erfahrung, dass die Fischhaut oftmals zweimal auf die Wunde aufgebracht werden muss. Nach zwei Wochen wird deswegen nochmals ein bisschen Fischhaut aufgelegt. Und plötzlich verheilt die Wunde rasant. Ein paar wenige Wochen nach der zweiten Behandlung mit der Fischhaut ist die Wunde verheilt. Nach der zweiten Nachkontrolle kann Thomas Engelhard die Behandlung ohne Schmerzen und mit einer vollständig geschlossenen Wunde abschliessen.
Das Angebot zur Wundbehandlung im Spital Bülach
Im Spital Bülach werden momentan drei von der Swissmedic anerkannte Produkte eingesetzt. Damit diese Therapie angeboten werden kann, muss das ärztliche Fachpersonal eine von der Swissmedic zertifizierte Weiterbildung abgeschlossen haben. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn die Therapie von speziell dafür ausgebildeten Ärztinnen oder Ärzten verordnet wird und wenn die Wunde nach über vier Wochen adäquater Wundversorgung keine erkennbare Heilungstendenz zeigen. Da solche chronischen Wunden oft besonders schmerzhaft sein können, kann während dieser vierwöchigen Wartezeit die hauseigene Schmerzklinik zur Behandlung der Schmerzsymptome zu Rate gezogen werden.
«Während der ganzen Behandlung habe ich mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt», erzählt Engelhard. Die Erleichterung, dass sich die Wunde nun dank der Hautersatz-Therapie mit Fischhaut verschlossen hat, ist ihm deutlich anzusehen. «Ich wollte unbedingt, dass die Wunde noch vor meinen Ferien im September heilt. Jetzt kann ich unbesorgt in die Ferien gehen.»
Zuweisung von Patientinnen und Patienten
Hausärztinnen, Hausärzte und weitere Fachpersonen können Patientinnen und Patienten zur Beurteilung und Behandlung von komplexen oder chronischen Wunden zuweisen. Das Team «Wunden und Stoma» vereinbart nach der Zuweisung gerne einen Termin.
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