Niederländische Organisationen entwickeln 8 Wasserinnovationen in Nakuru, Kenia; erste Anwendung in Afrika

PRESSEBERICHT Wasser: 8 niederländische Wasserinnovationen für eine Welt mit Überschwemmungen, Dürren und Wasserknappheit

Niederländisches Büro für Tourismus & Convention (NBTC)

PRESSEBERICHT Wasser: 8 niederländische Wasserinnovationen für eine Welt mit Überschwemmungen, Dürren und Wasserknappheit

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Acht niederländische Wasserinnovationen für eine Welt mit Überschwemmungen, Dürren und Wasserknappheit

IO+) Von Hochwasserschutzanlagen, die sich dem Flusspegel anpassen, über Systeme zur Wiederverwendung von Wasser und Prognosesoftware bis hin zu naturbasiertem Küstenschutz: Niederländische Organisationen entwickeln neue Ansätze für den Umgang mit Überschwemmungen, Trockenheit und zunehmender Wasserknappheit.

Jahrhundertelang prägte vor allem eine Vorstellung das internationale Bild des niederländischen Wasserbaus: Wasser muss draußen bleiben.

Für ein Land, dessen große Teile unter dem Meeresspiegel liegen, ist das bis heute von zentraler Bedeutung. Doch niederländische Wasserexpertise umfasst inzwischen weit mehr. Ingenieure, Forschende, Behörden und Start-ups entwickeln Lösungen, um Regenwasser zurückzuhalten, Abwasser wiederzuverwenden, Hochwasser früher vorherzusagen, Landschaften anzupassen und natürlichen Prozessen mehr Raum zu geben.

Die internationale Bedeutung liegt auf der Hand. Laut dem Weltwasserentwicklungsbericht 2026 der Vereinten Nationen leben rund vier Milliarden Menschen – etwa die Hälfte der Weltbevölkerung – mindestens einen Monat im Jahr unter starkem Wasserstress. Gleichzeitig zählen Überschwemmungen und Dürren weiterhin zu den weltweit folgenreichsten wasserbezogenen Gefahren.

Eine universelle niederländische Lösung dafür gibt es nicht. Und was in einem Delta funktioniert, lässt sich nicht ohne Weiteres auf ein anderes übertragen.

Was die Niederlande jedoch bieten, ist ein wachsendes Spektrum an Technologien, Forschungsprogrammen und Planungsansätzen, die im eigenen Land und international erprobt werden. Acht Beispiele zeigen, wie sich damit auch die Bedeutung niederländischer Wasserexpertise verändert.

  1. Sponge City Nakuru: Stadtplanung nach dem Wasserkreislauf

Was wäre, wenn eine schnell wachsende Stadt Regenwasser nicht möglichst rasch ableiten, sondern gezielt zurückhalten würde?

Das erste Beispiel liegt mehr als 6.000 Kilometer von den Niederlanden entfernt. Nakuru in Kenia wächst schnell und steht zugleich vor mehreren Herausforderungen: sinkenden Grundwasserspiegeln, Wasserknappheit und Phasen heftiger Regenfälle. Im Rahmen des Programms Water as Leverage der niederländischen Regierung entwickelt ein internationales Team deshalb einen Ansatz, der Stadtentwicklung konsequent am natürlichen Wasserkreislauf ausrichtet.

Federführend ist das Rotterdamer Büro Felixx Landscape Architects & Planners. Zum Team gehören außerdem Witteveen+Bos, die TU Delft, CSC Strategy & Finance, Planning Development Consulting Ltd., die Egerton University und Bantu Studio Design & Research. Das vorgeschlagene Nature-Based Sponge System setzt auf landschaftsplanerische Eingriffe und naturbasierte Lösungen. Ziel ist es, mehr Wasser im städtischen Raum zurückzuhalten und versickern zu lassen, statt es automatisch abzuleiten.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Das Projekt befindet sich noch in der Entwicklung. Seine langfristige Wirkung lässt sich daher noch nicht als erwiesen darstellen. Bemerkenswert ist vor allem die Methode. Landschaftsplanung, Technik, Finanzierung, Governance und lokales Wissen werden von Beginn an zusammengeführt und nicht erst nacheinander betrachtet.

Water as Leverage kam bereits in Städten wie Chennai, Khulna, Semarang und Cartagena zum Einsatz. Nakuru ist die erste Anwendung des Programms in Afrika.

Am 24. August 2026 wurde das Projekt bei der World Water Week in Stockholm vorgestellt. Felixx und die niederländische Unternehmensagentur RVO präsentierten Nakuru in einer Veranstaltung zu städtischem Wassermanagement und Klimaanpassung. Eine weitere Präsentation widmete sich dem übergreifenden Water-as-Leverage-Ansatz.

Exportiert wird hier also keine einzelne niederländische Technologie. Exportierbar ist vielmehr die Methode, ein komplexes städtisches Wasserproblem zunächst gemeinsam zu analysieren und zu strukturieren – bevor entschieden wird, was tatsächlich gebaut werden muss.

  1. Dutch Float Dike: Hochwasserschutz, der sich selbst aktiviert

Was wäre, wenn ausgerechnet das steigende Wasser selbst die Schutzanlage in Bewegung setzen würde?

Im limburgischen Dorf Arcen an der Maas entsteht auf mehr als 600 Metern Länge eine selbstschließende Hochwasserschutzanlage, die durch 38 Hintergärten verläuft: der Dutch Float Dike.

Im Alltag ist ein großer Teil der Konstruktion in Gärten und Terrassen integriert. Steigt die Maas und dringt Flusswasser in die darunterliegenden Betonkammern ein, hebt der Auftrieb große, miteinander verbundene Stahlklappen nach oben. Sie bilden dann vorübergehend eine Hochwasserschutzbarriere. Sinkt der Wasserstand wieder, kehren die Klappen in ihre Ausgangsposition zurück.

Das System ist Teil einer wesentlich umfassenderen Verstärkung der Deiche rund um Arcen. Gerade im Dorfzentrum bietet es jedoch einen besonderen Vorteil: Dauerhaft hohe Mauern würden den Blick auf die Maas beeinträchtigen und das Verhältnis der Bewohner zum Fluss verändern. Der Dutch Float Dike verbindet deshalb Hochwasserschutz mit einer möglichst unauffälligen Integration in den bestehenden Raum.

Die ersten Klappen wurden im Januar 2026 eingebaut. Teile der selbstschließenden Anlage wurden anschließend im Frühjahr erfolgreich getestet.

Das Projekt beweist nicht, dass selbstschließende Barrieren überall die richtige Lösung sind. Hydrologie, Bodenbeschaffenheit, Wartungsbedarf und Kosten unterscheiden sich von Ort zu Ort. Arcen zeigt jedoch einen möglichen Umgang mit einer Herausforderung, vor der viele Gemeinden an Flüssen und Küsten stehen: Wie lässt sich der Hochwasserschutz verbessern, ohne den öffentlichen Raum und das alltägliche Leben dauerhaft durch massive Schutzanlagen zu verändern?

Manchmal ist gerade jene Wasserinfrastruktur besonders interessant, die im Alltag möglichst unsichtbar bleiben soll. Ganz unbemerkt bleibt sie allerdings nicht: Im April 2026 wurde der Dutch Float Dike erfolgreich in Miami, Houston und San Antonio demonstriert.

  1. Delft-FEWS: wenn Wasserbau digital wird

Eine Hochwasserschutzanlage kann Wasser aufhalten. Eine gute Prognose kann Zeit gewinnen.

Bei Deltares in Delft besteht ein Teil der niederländischen Wasserexpertise deshalb weder aus Beton noch aus Stahl, sondern aus Software. Delft-FEWS, das von Deltares entwickelte Flood Early Warning System, ist eine modulare Plattform, die Messdaten, Prognosen und hydrologische Modelle miteinander verbindet. Niederschlag, Flusspegel, Wettervorhersagen und Modellergebnisse können darin zusammengeführt und für das operative Wassermanagement nutzbar gemacht werden.

Nach Angaben von Deltares wird Delft-FEWS inzwischen in fast 70 Ländern eingesetzt. Hochwasserprognosen sind weiterhin das wichtigste Anwendungsgebiet. Darüber hinaus kommt die Plattform unter anderem beim Management von Stauseen und Wasserkraftanlagen, bei Dürre- und Gewässergüteprognosen, in der Grundwassermodellierung und in der Schifffahrt zum Einsatz.

Die nächste Herausforderung besteht nicht einfach darin, noch mehr Daten zu sammeln. Entscheidend ist, sie sinnvoll miteinander zu verbinden.

Deltares und das australische Bureau of Meteorology arbeiteten beispielsweise an BRAIN – Blended Rainfall. Das System kombiniert Radarschätzungen mit Messdaten von Regenmessern und Satellitenbeobachtungen. In einem weiteren Proof-of-Concept-Projekt wird maschinelles Lernen eingesetzt, um höher aufgelöste Niederschlagsschätzungen für das Murray-Darling-Becken in Australien zu erstellen. Beide Entwicklungsprojekte sind auch Thema der Delft-FEWS User Days Australia, die vom 9. bis 11. September 2026 in Brisbane stattfinden.

Damit steht Delft-FEWS für eine andere Art niederländischen Wasserexports. Statt ein bestimmtes Modell oder ein einzelnes Bauwerk vorzugeben, verbindet die Plattform unterschiedliche Datenquellen und Modellsysteme mit den jeweiligen Entscheidungsprozessen vor Ort. Moderne Wassertechnik dreht sich damit längst nicht mehr nur um Wasser – sondern zunehmend auch um Information.

  1. The Ocean Cleanup: vom Plastikfänger zum städtischen Gesamtsystem

In der nächsten Phase von The Ocean Cleanup geht es nicht einfach darum, mehr Interceptors zu bauen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wo sie tatsächlich etwas bewirken können.

Die gemeinnützige Organisation aus Rotterdam wurde international durch ihren Einsatz gegen schwimmendes Plastik im Great Pacific Garbage Patch bekannt. Mit dem 30 Cities Program rückt nun stärker in den Mittelpunkt, wie Plastik überhaupt vom Land über Flüsse ins Meer gelangt.

Nach Angaben der Organisation soll das Programm bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu ein Drittel der Plastikeinträge angehen, die über Flüsse in die Ozeane gelangen. Im Fokus stehen 30 Ballungsräume in Asien sowie Nord- und Südamerika. Dabei handelt es sich ausdrücklich um ein Programmziel – nicht um eine bereits erreichte Wirkung.

Im März 2026 sagte die Fördergemeinschaft von The Audacious Project 121 Millionen US-Dollar für das Programm zu. The Ocean Cleanup kündigte für 2026 unter anderem Einsätze in Mumbai, Jakarta, Kuala Lumpur, Panama-Stadt und der Region um die Bucht von Manila an.

Aus Sicht des Wassermanagements ist vor allem der Perspektivwechsel interessant: weg von einer einzelnen Maschine, hin zum städtischen Gesamtsystem.

Denn Plastik gelangt nicht überall auf dieselbe Weise in die Flüsse. Hydrologie, Gezeiten, Entwässerungssysteme, Abfallsammlung und menschliches Verhalten unterscheiden sich von Stadt zu Stadt. Deshalb kombiniert The Ocean Cleanup das physische Abfangen von Plastik mit Erhebungen, Monitoring und lokalen Partnerschaften. So soll bestimmt werden, welche Maßnahmen an welchem Ort sinnvoll eingesetzt werden können.

Die Erkenntnis reicht weit über Plastikverschmutzung hinaus: Wer eine Technologie international skalieren will, kann nicht überall exakt dieselbe Lösung einsetzen. Häufig muss auch das System rund um die Technologie an die Bedingungen vor Ort angepasst werden. Genau darin könnte für The Ocean Cleanup der Schlüssel zu größerer, skalierbarer Wirkung liegen.

  1. Hydraloop: Wasser in Gebäuden ein zweites Mal nutzen

Warum Trinkwasserqualität nur einmal nutzen, wenn sich ein Teil des Wassers aufbereiten und erneut einsetzen lässt?

Leeuwarden hat sich zu einem der wichtigsten Zentren der niederländischen Wassertechnologie entwickelt. Der WaterCampus Leeuwarden bringt Forschung, Bildung, Unternehmen und Geschäftsentwicklung zusammen und verfügt inzwischen über ein Netzwerk, das weit über Friesland und die Niederlande hinausreicht. Der WaterCampus-Monitor aus dem Jahr 2023 beschreibt ihn als nationales Zentrum für Wassertechnologie mit wachsender europäischer Bedeutung.

Eines der Unternehmen, die aus diesem Umfeld hervorgegangen sind, ist Hydraloop. Das Unternehmen entwickelt dezentrale Systeme zur Aufbereitung von Grauwasser in Wohnhäusern und anderen Gebäuden.

Das Prinzip ist einfach: Wasser aus Duschen und Badewannen wird aufgefangen und behandelt. Anschließend kann es dort wiederverwendet werden, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist – etwa für Toilettenspülungen, Waschmaschinen oder Bewässerung.

Bei den Zahlen lohnt sich ein genauer Blick. Laut Produktdokumentation von Januar 2026 kann das H600-System bis zu 95 Prozent des Grauwassers aus Duschen, Handwaschbecken und Badewannen recyceln; optional lässt sich auch ein Teil des Wassers aus Waschmaschinen einbeziehen. Je nachdem, welche Wasserströme an das System angeschlossen sind und wie es eingesetzt wird, können nach Unternehmensangaben 25 bis 45 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs eines Haushalts wiederve