Niedersachsen Erwerbstätige Verdienststatistik 2025 Teil 1; Lücke wächst im Alter von 55–64 Jahren
Verdienststatistik in Niedersachsen – Ergebnisse für 2025 – Teil 1 - Statistisch gesehen
Verdienststatistik in Niedersachsen – Ergebnisse für 2025 – Teil 1
Die Verdienststatistik 2025 zeichnet ein facettenreiches Bild des Arbeitsmarktes in Niedersachsen. Im ersten Teil wird dargestellt, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern (weiterhin) sehr unterschiedlich ist und wie sich Einkommen im Laufe des Erwerbslebens entwickeln. In welchen Branchen und Berufen besonders gut verdient wird und warum die Qualifikation weiterhin einer der wichtigsten Faktoren für die Höhe des Verdienstes ist, zeigt der zweite Teil.
Erwerbsbeteiligung: Frauen prägen Teilzeit, Männer dominieren Vollzeit
Bei der Verdienststatistik 2025 1 Die in dem Artikel verwendeten Ergebnisse basieren auf dem Referenzmonat April 2025. in Niedersachsen wurden rund 3,8 Millionen Beschäftigungsverhältnisse im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich sowie in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (Wirtschaftsabschnitte A bis S) ermittelt. Mit 51,6% stellte die Vollzeitbeschäftigung die häufigste Beschäftigungsform dar. Rund 27,5% der Beschäftigten arbeiteten in Teilzeit, während auf geringfügig entlohnte Beschäftigungen 16,2% entfielen. Auszubildende machten 3,9% aller Beschäftigten aus, Altersteilzeitbeschäftigte lediglich 0,8% (siehe Abbildung A1).
Von den rund 3,8 Millionen Beschäftigungsverhältnissen entfielen rund 1,85 Millionen auf Frauen (48,4%) und 1,97 Millionen auf Männer (51,6%). Der Arbeitsmarkt erscheint auf den ersten Blick nahezu ausgeglichen. Eine genauere Betrachtung der Voll- und Teilzeitbeschäftigten sowie der geringfügig entlohnten Beschäftigten zeigt jedoch deutliche Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen nach den einzelnen Beschäftigungsformen.
Deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Rund 1,39 Millionen niedersächsische Männer arbeiteten in Vollzeit, was einem Anteil von 70,7% aller Vollzeitbeschäftigten entspricht. Bei den Frauen waren dagegen lediglich 577.000 Personen beziehungsweise 29,3% in Vollzeit tätig. Damit waren Männer mehr als doppelt so häufig vollzeitbeschäftigt wie Frauen (siehe Abbildung A2).
Demgegenüber ist die Teilzeitbeschäftigung weiterhin überwiegend weiblich geprägt. Insgesamt befanden sich 2025 in Niedersachsen 1,05 Millionen Personen in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis. Von diesen entfielen 834.000 auf Frauen. Dies entspricht einen Anteil von 79,4%. Knapp vier von fünf Teilzeitbeschäftigten waren also weiblich. Bei den Männern waren dagegen lediglich 217.000 Personen (20,6%) teilzeitbeschäftigt.
Auch bei den geringfügig entlohnten Beschäftigungen zeigt sich eine stärkere Beteiligung von Frauen. Von den insgesamt 617.000 geringfügig Beschäftigten lag der Frauenanteil bei 58,9%, der Männeranteil bei 41,1%.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse der Verdienststatistik in Niedersachsen, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern weiterhin durch unterschiedliche Beschäftigungsformen geprägt ist. Während Männer überwiegend in Vollzeit tätig sind, üben Frauen häufiger Teilzeit- und geringfügige Beschäftigungsformen aus. Die Daten spiegeln damit strukturelle Unterschiede in der Arbeitsmarktintegration wider, die seit Jahren beobachtet werden und unter anderem mit
familiären Betreuungsaufgaben (Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen),
in Zusammenhang stehen können. Diese Unterschiede sind zugleich ein wichtiger Erklärungsansatz für geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede und die unterschiedliche Erwerbsbiografie von Frauen und Männern.
Verdienste nach Altersgruppen: Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern
Die Ergebnisse der Verdienststatistik in Niedersachsen zeigen weiterhin auch einen deutlichen Zusammenhang zwischen Alter und Verdienst. Während Beschäftigte in Vollzeit unter 25 Jahren in Niedersachsen im Durchschnitt 3.207 Euro brutto (ohne Sonderzahlungen) im Monat verdienten, steigen die Verdienste mit zunehmendem Alter kontinuierlich an und erreichen bei den 55- bis 59-Jährigen mit durchschnittlich 4.900 Euro ihren Höchststand. Gegenüber den jüngsten Beschäftigten entspricht dies einem Plus von rund 53%.
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Verlauf des Erwerbslebens. Bei den Jüngeren liegen die Verdienste noch vergleichsweise nah beieinander. Bei den unter 25-Jährigen beträgt der Unterschied ungefähr 100 Euro pro Monat. Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Verdienstlücke jedoch deutlich. Während Männer in Vollzeit ihre höchsten durchschnittlichen Monatsverdienste im Alter von 55 bis 59 Jahren mit 5.155 Euro erzielen, erreichen Frauen in Vollzeit ihren Höchstwert erst in der Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren mit 4.763 Euro.
Am stärksten fällt der Abstand zwischen den Geschlechtern in den Altersgruppen zwischen 55 und 64 Jahren aus. So verdienten vollzeitbeschäftigte Frauen im Alter von 55 bis 59 Jahren durchschnittlich 4.257 Euro und damit rund 900 Euro weniger als vollzeitbeschäftigte Männer derselben Altersgruppe (5.155 Euro). Auch bei den 60- bis 64-Jährigen lag die Differenz mit rund 870 Euro auf einem ähnlich hohen Niveau.
Warum die Verdienstlücke mit dem Alter wächst
Die Ergebnisse der Verdienststatistik in Niedersachsen deuten darauf hin, dass sich Unterschiede in Erwerbsbiografien über die Jahre verstärken. Während Männer ihre Verdienste über weite Teile des Berufslebens kontinuierlich steigern können, stagniert die durchschnittliche Verdienstentwicklung bei Frauen ab einem bestimmten Zeitpunkt. Dies kann beispielsweise mit der Geburt des ersten Kindes bzw. der ersten Kinder zusammenhängen. Das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes lag im Jahr 2025 bei 30,5 Jahren. Die Grafik A3 verdeutlicht, dass ungefähr ab diesem Alter der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern deutlich zunimmt. Dies weist auf den Einfluss von familienbedingten Erwerbsunterbrechungen hin, wie zum Beispiel zur Kinderbetreuung. Solche tiefgreifenden Ereignisse in der Erwerbsbiografie prägen maßgeblich das Verdienstniveau über den gesamten Erwerbsverlauf hinweg, haben also einen essentiellen Einfluss auf die Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern.
Die Ergebnisse der Verdienststatistik 2025 zeigen, dass die Beschäftigungsstruktur in Niedersachsen weiterhin durch deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede geprägt ist. Während Männer nach wie vor deutlich häufiger in Vollzeit tätig sind, prägen Frauen das Teilzeitsegment.
Diese unterschiedlichen Erwerbsmuster spiegeln sich auch in der Einkommensentwicklung wider: Mit zunehmendem Alter wachsen die Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich an und weisen auf die langfristigen Auswirkungen von Erwerbsunterbrechungen und unterschiedlichen Karriereverläufen hin.
Die Ergebnisse verdeutlichen damit, wie eng Arbeitsmarktstrukturen, Lebensverläufe und Verdienstchancen miteinander verbunden sind. Verdienstunterschiede können also nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind eng mit den jeweiligen Erwerbsbiografien und Beschäftigungsformen verknüpft.
Gleichzeitig zeigt die Verdienststatistik ihren besonderen Wert: Sie macht wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen anhand belastbarer Daten sichtbar und kann eine wichtige Grundlage bilden, um Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt besser zu verstehen und einzuordnen.
Der zweite Teil beleuchtet, welche Branchen und Berufe überdurchschnittliche Verdienste aufweisen und weshalb die Qualifikation weiterhin ein entscheidender Faktor für die Verdiensthöhe ist.
Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite des LSN:
Hinweise zur Methodik der Verdiensterhebung ,
weitere Ergebnistabellen und -grafiken ,
Informationen zum Thema Gender Pay Gap .
Sebastian Fischer Telefon: 0511 9898-2351 Alle Beiträge ansehen
1 Die in dem Artikel verwendeten Ergebnisse basieren auf dem Referenzmonat April 2025. ↩︎
Rückblick auf die Jahrestagung 2026: 80 Jahre Niedersachsen – Wirtschaft im Wandel. Quo Vadis?