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title: "Forscherteam Benevento untersuchte Einfluss von Klimaveränderungen auf Säugetiergemeinschaften in Zentralasien (Mongolei, China); Säugetiervielfalt verdreifachte sich im Paläozän-Eozän-Maximum."
sdDatePublished: "2026-09-17T12:06:00Z"
source: "https://www.uni-jena.de/443454/heiss-kalt-trocken-klimawandel-praegte-saeugetiervielfalt-vor-66-bis-23-millionen-jahren"
topics:
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locations:
  - "Xining"
  - "Jena"
  - "Mongolia"
  - "China"
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Forscherteam Benevento untersuchte Einfluss von Klimaveränderungen auf Säugetiergemeinschaften in Zentralasien (Mongolei, China); Säugetiervielfalt verdreifachte sich im Paläozän-Eozän-Maximum.

Heiß, kalt, trocken: Klimawandel prägte Säugetiervielfalt vor 66 bis 23 Millionen Jahren | Uni Jena

Heiß, kalt, trocken: Klimawandel prägte Säugetiervielfalt vor 66 bis 23 Millionen Jahren

Säugetiergemeinschaften in Zentralasien reagierten auf globale und regionale Klimaveränderungen, zeigt neue Studie

Ein Forscher bei der Arbeit im Xining-Becken (Zentralchina), im Hintergrund Hochhäuser

Meldung vom: 17. September 2026, 11:23 Uhr | Verfasser

in: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Ein Forschungsteam des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) hat den Einfluss von Klimaveränderungen auf die Säugetiervielfalt Zentralasiens während des Paläogens untersucht. Ihre jetzt im wissenschaftlichen Journal »Nature Communications« erschienene Studie zeigt, dass im Zeitraum vor 66 bis 23 Millionen Jahren neben globalen Temperaturverschiebungen auch eine regionale Trockenphase die Entwicklung von Säugetiergemeinschaften entscheidend prägte. Das Zeitalter des Paläogens vor circa 66 bis 23 Millionen Jahren ist eine Schlüsselperiode der Säugetierevolution. Nachdem die Dinosaurier vor etwa 66 Millionen Jahren ausgestorben waren, etablierten sich Säugetiere rasch als vorherrschende Gruppe der Landwirbeltiere. Wie haben sich diese Tiergemeinschaften im Laufe dieser langen Zeit verändert und welche Rolle haben Klimaveränderungen dabei gespielt? Diesen Fragen ist das interdisziplinäre Team unter Leitung von Dr. Gemma Louise Benevento, Forscherin am iDiv und an der Universität Jena, zuvor am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt, mit Blick auf Zentralasien nachgegangen.

»Wir haben anhand von Fossilfunden in der Mongolei und China die taxonomische Vielfalt und Zusammensetzung von Säugetiergemeinschaften und die Entwicklung der Körpermasse der Tiere im Laufe der Zeit rekonstruiert«, erklärt Benevento. »Dabei haben wir für unser Untersuchungsgebiet in Zentralasien während des Paläogens drei Phasen mit deutlichen Veränderungen identifiziert. Diese Umbrüche in der Entwicklung der Säugetiergemeinschaften fallen mit einschneidenden Klimaereignissen in diesem Zeitraum zusammen. Erstens mit der schnellen Erwärmungsphase des Paläozän-Eozän-Temperaturmaximums vor etwa 56 Millionen Jahren, zweitens mit der Abkühlung am Übergang vom Eozän zum Oligozän vor etwa 33,9 Millionen Jahren. Als dritte Klimaveränderung – zeitlich zwischen diesen beiden Ereignissen – konnten wir aber noch eine zusätzliche regionale Austrocknungsphase in Zentral-Ostasien während des mittleren Eozäns feststellen.« Während des Paläozän-Eozän-Temperaturmaximums vor rund 56 Millionen Jahren erwärmte sich die Erde innerhalb eines vergleichsweise sehr kurzen Zeitraums von etwa 100.000 Jahren um etwa fünf bis zehn Grad Celsius. Diese »Treibhauswelt« wandelte sich dann vor etwa 33,9 Millionen Jahren, als eine Phase allmählicher Abkühlung und Austrocknung langfristig den Übergang zu einer kühleren »Eishauswelt« mit Eiskappen an den Polen einleitete.

»Neben diesen globalen Klimaereignissen haben einige kürzlich veröffentlichte geologische und ökologische Analysen Hinweise auf eine Austrocknungsphase in Zentral-Ostasien bereits während des mittleren Eozäns vor etwa 40 Millionen Jahren geliefert«, führt Benevento weiter aus. »Diese Untersuchungen stützen sich auf Indikatoren wie die Verwitterungsintensität, die in trockenen Gebieten abnimmt, oder Pollen, die als Anzeiger für frühere Umweltbedingungen dienen. Für diesen Zeitraum wurde eine Zunahme von Pollenarten festgestellt, die für Wüstenlandschaften typisch sind. Anhand von Klimamodellsimulationen konnten wir diese regionale Trockenphase nun noch einmal unabhängig bestätigen. Auch unsere Klimamodelle weisen darauf hin, dass die Umwelt in dieser Region bereits rund sechs Millionen Jahre früher trockener wurde als bislang angenommen.«

Die globale Erwärmung infolge des Paläozän-Eozän-Temperaturmaximums, die mit einer Begrünung der Wüsten im Landesinneren einherging, begünstigte laut der Studie eine hohe Säugetiervielfalt, die sich in diesem Zeitraum verdreifachte. Die spätere Austrocknung und Abkühlung hätten dagegen zu einem Rückgang der Artenvielfalt, Abnahme der Körpergröße und insgesamt zu einem starken Wandel der Tiergemeinschaften geführt.

»Dass die Trockenphase in Zentralasien bereits früher als in anderen Teilen der Erde einsetzte, hängt wahrscheinlich mit veränderten Luftströmungen durch den Rückzug des Paratethys-Meeres – ein riesiges, heute verschwundenes Binnenmeer in Eurasien – und der Anhebung des Tibetischen Plateaus zusammen«, so Benevento.

»Besonders bemerkenswert ist, dass diese regionalen Austrocknungsphase offenbar einen ähnlich starken Einfluss auf die Säugetiergemeinschaften hatte wie die ›großen‹ globalen Klimaereignisse. Daraus lassen sich auch wertvolle Schlüsse mit Blick auf den heutigen Klimawandel und die zunehmende globale Erwärmung ziehen. Um die wichtigsten Gefahren für die heutige Artenvielfalt zu erkennen, müssen unbedingt auch regionale und lokale Veränderungen berücksichtigt werden – etwa die Verfügbarkeit von Wasser, der Transport von Feuchtigkeit in der Atmosphäre oder die Verschiebung von Lebensräumen. Nur so können wir zuverlässig einschätzen, wie heutige Säugetiergemeinschaften auf künftige Veränderungen von Klima und Umwelt reagieren werden.«

Benevento, G.L., Meijer, N., Brugger, J. et al. Global and regional climate change impacted Paleogene mammal faunas in Central Asia. Nat Commun 17, 9606 (2026). https:

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Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)