Verbraucherzentrale NRW meldet 78% Online-Kaufprobleme in NRW; Schutzlücken im digitalen Raum bleiben.
Jahresbericht 2024 Aachen
Was war das größte Verbraucherproblem 2025? Das Konsumverhalten verlagert sich immer mehr ins Internet. 78 Prozent der Menschen hatten nach einer aktuellen Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands in den letzten zwei Jahren Probleme beim Online-Kauf, z. B. mit Lieferzeiten, Pro- duktqualität, versteckten Kosten oder gar Betrug und manipu- lativen Designs. Aber auch mit Zahlungsdienstleistern, weil der propagierte Käuferschutz nicht immer greift. Wir müssen die Schutzlücken im digitalen Raum schließen und setzen vermehrt auf präventive Verbraucherinformation. Wie sichern Sie ein hohes Verbraucherschutzniveau? Mit unserer Beratung helfen wir nicht nur einzelnen Ratsu- chenden. Unsere Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes schützen alle Bürger:innen, sei es durch Abmahnungen un- seriöser Anbieter oder durch Vertretung bei Massenschäden. Unsere Beratungsstelle fungiert als Sensor im Marktgeschehen und trägt so aktiv zu Marktbereinigung und effektiver Rechts- durchsetzung bei. Was war Ihr persönliches Highlight 2025? Ich freue mich sehr, seit Mai der neue Leiter der Beratungs- stelle zu sein. Seither konnte ich in zahlreichen Gesprächen mit Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft vertrauensvolle Kontakte knüpfen und mich in der vielfältigen Stadtgesellschaft vernetzen. Überall wurde ich offen empfan- gen. Die Arbeit mit meinem engagierten und interdisziplinären Team begeistert mich sehr. Gemeinsam streiten wir verlässlich für die Rechte der Verbraucher:innen. Wie haben sich Verbraucheranliegen gewandelt? Die Probleme, mit denen Verbraucher:innen zu uns kommen, werden zunehmend komplexer. Neue Gesetze, Verordnun- gen und Richtlinien fordern eine fallbezogene Auslegung und hohes Fachwissen, neue digitale Geschäftsstrategien eine sorgfältige Einzelfallprüfung. Komplizierte Vertragsgeflechte machen die Rechtsdurchsetzung aufwändiger. Auch themen- übergreifende Beratung ist vermehrt erforderlich. Zudem signalisieren viele Verbrauchergruppen Überforderung und brauchen passgenaue Hilfestellungen. Hat KI Einfluss auf die Beratung? Anliegen werden per KI perfekt formuliert schriftlich einge- reicht, in der nachfolgenden persönlichen Beratung ergeben sich aber dann Verständigungsprobleme – das stellt eine methodische Herausforderung dar. Eine falsche KI-Rechts- auslegung führt zu nicht einlösbaren Erwartungen, die sich rechtlich gar nicht durchsetzen lassen. Ratsuchende werden zudem durch KI-Halluzinationen in vermeintliche Beratungsan- gebote gelotst. Wir müssen die Verbrauchererwartungen dann in realistische Bahnen lenken, manchmal auch enttäuschen. Aber auch wir planen gesteuerte erste KI-Gehversuche zur Beratungsunterstützung. Im Interview mit Karsten Strätz, Leiter der Beratungsstelle Unsere Arbeit im Jahr 2025 Köln
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