Jenaer Zentrum für Romantikforschung Tagung Die ambivalente Macht der Phantasie Volkshaus Jena, Raum Clara und Eduard Rosenthal, Carl-Zeiss-Platz 15; Internationale Tagung
Jenaer Zentrum für Romantikforschung Tagung Die ambivalente Macht der Phantasie Volkshaus Jena, Raum Clara und Eduard Rosenthal, Carl-Zeiss-Platz 15; Internationale Tagung Tagung “Die ambivalente Macht der Phantasie” | Uni Jena Tagung “Die ambivalente Macht der Phantasie” Meldung vom:18. Mai 2026, 15:21 Uhr Die Phantasie (griech. φαντασία; lat. phantasia, imaginatio) gilt in der philosophischen Tradition als ein ambivalentes Phänomen. Von Aristoteles wird sie in De anima zwischen der Erklärung der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit und der des Denkvermögens behandelt. Im 18. Jahrhundert kommt es zu einer Neubewertung der Leistung der Einbildungskraft. Immanuel Kant unterscheidet in der Kritik der reinen Vernunft epochemachend zwischen der „reproduktiven Einbildungskraft“ und ihrer „produktiven“ Variante, die als ein Vermögen a priori gefasst wird. Kants Aufwertung der produktiv-schöpferischen Einbildungskraft ist wirkungsmächtig. In seiner Anthropologie klingt aber auch eine Skepsis an, die sich seit Platon fortschreibt: „Wir spielen oft und gern mit der Einbildungskraft; aber die Einbildungskraft (als Phantasie) spielt eben so oft und bisweilen sehr ungelegen auch mit uns“ (Akad.-Ausgabe 7, 175). Um die Wende hin zu einer Konzeption von Einbildungskraft und Imagination, in der diese als Produktivkräfte neu entdeckt, zugleich aber auch problematisiert werden, geht es im Sommersemester 2026 in einer Ringvorlesung und in einer das Semester beschließenden internationalen Tagung. Denn selbst auf dem Höhepunkt ihrer Affirmation bleiben Phantasie und Einbildungskraft umstritten. Um 1800 findet sich neben dem Enthusiasmus der Romantik für die Leistungen der Imagination auch eine zugespitzte Reflexion der Gefahren ihrer Entfesselung. Dies zeigt sich in konträren Einschätzungen ihrer Qualität: als ultimatives Erkenntnis- oder als Illusionsmittel, als Handlungsstimulans oder als träumerische Kompensation. Die Vortragenden der Ringvorlesung haben „die ambivalente Macht der Phantasie“ auf Gegenwartsphänomene bezogen. Die Tagung wird sich der historischen Entwicklungen widmen. Systematisch zeichnen sich verschiedene Bereiche ab, in denen die Neuvermessung von Phantasie und Einbildungskraft ihre Wirkung entfaltet: Im Mittelpunkt des Interesses stehen neben der Erkenntnistheorie, der Ästhetik und den Künsten die psycho-sozialen und politischen Funktionen des imaginativen Entwurfsvermögens. ...