SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituieren drei NS-Raubgut-Bücher an IG Metall Chemnitz; NS-Raubgut bestätigt, Provenienzforschung weiter.
1
Mai 2026 Pressemitteilung
INFO 09 / 2026 SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituieren Bücher aus der Gewerkschaftsbibliothek des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes an die IG Metall Chemnitz Der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser in ganz Deutschland am 2. Mai 1933 gehört zu den dunkelsten Tagen für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Gewerkschaften wurden durch die Nationalsozialisten verboten, ihre Mitglieder verfolgt, inhaftiert, ermordet und ihr Eigentum und ihre Immobilien beschlagnahmt, zerstört, verwertet. Nach der Enteignung gingen Bestände aus Gewerkschaftsbibliotheken in den Besitz der Deutschen Arbeitsfront, der nationalsozialistischen Einheitsgewerkschaft, über. Am 18. Mai 2026 restituieren die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und die Stadtbibliothek Burgstädt drei Bücher an die IG Metall in Chemnitz. Die Bücher wurden dem damaligen Metallarbeiter-Verband Chemnitz (DMV) in der NS-Zeit verfolgungsbedingt geraubt und konnten aufgrund der enthaltenen Stempel zugeordnet werden. Die IG Metall als Rechtsnachfolgerin überlässt sie den beiden Bibliotheken wiederum als Schenkung. Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden, erläutert: „Im Fall von erwiesenem NS- Raubgut bemühen wir uns um eine Rückgabe bzw. um gerechte und faire Lösungen im Sinne der Washingtoner Erklärung von 1998. Erfolgreiche Restitutionen wie diese zeigen, wie wichtig systematische Provenienzforschung auch 81 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur ist – in Landesbibliotheken wie der SLUB ebenso wie in sächsischen Stadt- und Regionalbibliotheken mit Altbestand. Der IG Metall Chemnitz danken wir für die Schenkung und das damit verbundene Vertrauen.“ Lydia Oeser, Leiterin der Stadtbibliothek Burgstädt, betont: „Für uns als kleine Stadtbibliothek im ländlichen Raum ist es bedeutsam, dass wir das als NS-Raubgut identifizierte Buch des DMV Chemnitz restituieren konnten. Ohne die Unterstützung durch die ehemalige Koordinierungsstelle Provenienzforschung an der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken wären für uns weder die Erschließung des Altbestandes, die Recherchen zu verfolgten Voreigentümern noch die Restitutionsvorbereitung möglich gewesen. Durch einen Vermerk im Online-Katalog und einen Einleger im geschenkten Buch werden wir vor Ort in Burgstädt an den Deutschen Metallarbeiter- Verband Chemnitz und sein Schicksal erinnern.“ „Wir freuen uns über den Fund der drei Bücher, die 1933 von den Nazis aus der Gewerkschaftsbibliothek geraubt wurden“; so Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz. „Und wir überlassen sie gerne den Bibliotheken, denn dort sind sie in guten Händen und stehen der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.“ Fund der Bücher in der SLUB Dresden Im Bestand der Sächsischen Landesbibliothek, einer der beiden Vorgängereinrichtungen der SLUB Dresden, konnten zwei Bücher mit einem Stempel der Verwaltungsstelle Chemnitz des DMV identifiziert werden. Eines gelangte am 22. Juni 1961 als Geschenk von der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände in die Bibliothek. Das zweite erwarb die SLUB am 21. Oktober 1977
...