Pater Pius Mühlbacher OSB starb in St. Ottilien Krankenstation; Tangaza-College-Gründung maßgeblich beteiligt

Pater Pius Mühlbacher OSB starb in St. Ottilien Krankenstation; Tangaza-College-Gründung maßgeblich beteiligt Pater Pius (Konrad) Mühlbacher OSB Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien 12. Januar 1941 – 15. Juli 2026 Gut vorbereitet auf die Ewigkeit, entschlief Pater Pius Mühlbacher friedlich am Nachmittag des 15. Juli in seinem Zim- mer in der Krankenstation von St. Ottilien, wo er die letzten Jahre seines Lebens gut umsorgt verbracht hatte. Er verstarb im 64. Jahr seines Ordensgelübdes und im 86. Jahr seines Lebens. Pater Pius kam am 12. Januar 1941 als sechstes von zehn Kindern der Eheleute Josef und Franziska Mühlbacher, ge- borene Wimmer zur Welt. Zwei der Schwestern sollten sich später gleichfalls für den Ordensberuf entscheiden. Die Eltern betrieben eine kleine Landwirtschaft im Dorf Gaden bei Waging am See (Landkreis Traunstein, Erzbistum Mün- chen-Freising). Der begabte und lebhafte Junge besuchte zunächst die Volksschule in Waging und ab 1953 das Kleine Seminar St. Michael in Traunstein. Unmittelbar nach dem Abitur trat der junge Mann im September 1961 in die Erzabtei St. Ottilien ein, wobei ihm die Seminarzeit als Postulat angerechnet wurde. Die ersten Gelübde legte er am 17. September 1962 ab, die ewigen am 10. Oktober 1965. In gewohnten Bahnen folgte das Philosophiestudium an der Hochschule St. Ottilien (1962-1964) und das Theologiestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (1964-1967). Die Priesterweihe wurde ihm am 13. August 1967 durch den Augsburger Bischof Josef Stimpfle erteilt. Unmittelbar anschließend wurde er in die Abtei Schweiklberg versetzt, um dort im Missionsseminar als Studienprä- fekt zu wirken. Im September 1970 folgte eine Versetzung in das Priorat Jakobsberg bei Bingen, wo er in Mainz in der Schulseelsorge im Einsatz war. Ab Oktober 1973 wirkte er am Missionsseminar von St. Ottilien zunächst als Seminar- präfekt und ab August 1974 als Regens. Hier engagierte er sich sehr in den jährlichen Theateraufführungen, die einen beachtlichen Ruf hatten. Auch eine zeitgenössische künstlerische Gestaltung des Schulgeländes war ihm ein Anliegen, was sich an seinen späteren Einsatzorten fortsetzen sollte. Sein Wunsch nach Missionstätigkeit wurde im Oktober 1984 durch die Aussendung in die Keniamission erfüllt. Dafür erlernte er zunächst in der Abtei Peramiho Suahili. Schon ab März 1985 wirkte er im kenianischen Eldoret als Kaplan und Vertreter von P. Lukas Angermaier (1917-1988). Im Mai desselben Jahres wurde er zum Konventualprior des jungen Klosters St. Benedict in Nairobi gewählt. Dort betreute er auch als Klerikerpräfekt den Klosternachwuchs. Die Herausforde- rungen in der Neugründung waren gewaltig, selbst für einen tatkräftigen und sozial hochkompetenten Priester wie Pater Pius. Im September 1992 trat er von seinem Amt zurück und zog in die Neugründung Tororo in Uganda um. Dort hatte er entscheidenden Anteil daran, dass die Gemeinschaft nach den unruhigen Jahren des Bürgerkriegs wieder in geregelte Bahnen zurückfand. Im September 2002 zog er nach Nairobi zurück, um dort als Prior ein Studienhaus der Kongregation im Vorort Langata aufzubauen, von wo aus die Studenten die verschiedenen katholischen Hochschulen (CUEA University, Tangaza College) besuchen konnten. Die ersten Baupläne wurden von ihm selbst gezeichnet. Bei der damaligen Gründung des Tangaza-College für Ordensleute wirkte Pater Pius als Chairman der beteiligten Ordensgemeinschaften. Über diese bewegten Jahre des Aufbaus in Kenia und Uganda berichtete Pater Pius regelmäßig in lebendigen Rundbriefen. Eine letzte Herausforderung ergab sich im Jahr 2010, als Pater Pius nach Rabanal berufen wurde, um im dortigen kleinen Kloster bei der Pilgersorge mitzuhelfen. Der unermüdliche Arbeiter des Herrn erlernte dafür noch Spanisch und legte einen größeren Gemüsegarten an, mit dem er die Speisekarte bereicherte. Es ist zu bewundern, wie er, der ein Leben lang Führungsrollen übernommen hatte, sich in einem eingeschränkteren Aufgabenbereich und als Teil eines Teams einzuordnen wusste. Nachlassende Kräfte bewogen ihn im Jahr 2020 zur Rückkehr nach St. Ottilien. Dort machten sich nach einiger Zeit erste Anzeichen einer Demenzerkrankung bemerkbar, so dass er sich zunehmend in die Krankenabteilung zurückzog. Pater Pius gehörte zu den „Abenteurern Gottes“, die gerade in schwierigen Situationen ihre Qualitäten zeigen und keine Herausforderung scheuen. Bei aller Liebenswürdigkeit hatte er daher auch ein ausgeprägtes Rückgrat, besaß Standver- mögen und Durchsetzungsfähigkeit, dazu aber auch einen kernigen Humor, auch gegenüber seinen gelegentlichen Niederlagen. Sein Leben war derart reich an Erlebnissen und Begegnungen, dass er bei seinem Versuch, Erinnerungen zu schreiben scheiterte und sie schließlich ins Archiv gab. Bei seiner Pioniertätigkeit half ihm, dass er ungewöhnlich viele Talente vereinte: Es gab kaum einen Tätigkeitsbereich, den er nicht irgendeinmal in seinem Leben übernommen hatte, sich in kurzer Zeit einarbeitete und erfolgreich bewältigte. Seine spirituelle Tiefe hatte er sich durch viel Le- benserfahrung erworben und eine seelsorgerische Tätigkeit, die in ihrem Umfang und ihrer Vielseitigkeit kaum fassbar scheint. Dabei konnte er viele Menschen erreichen und für das Reich Gottes gewinnen. Er ruhe nun in Frieden! Requiem mit Beerdigung am Mittwoch, den 22. Juli, um 10.30 Uhr in der Abteikirche von Sankt Ottilien. Erzabt Wolfgang Öxler und Konvent der Erzabtei Sankt Ottilien

July 27, 2026