Bank of England MPC belässt Bank Rate bei 3,75% in London; Zinserhöhung nicht ausgeschlossen
Quelle: Bank of England, NORD/LB Research
Das MPC der Bank of England hat heute beschlossen die als Leitzins bekannte Bank Rate bei 3,75% zu be- lassen – vorerst! Aufgrund der geopolitischen Lage haben die Notenbanker zunächst kein Interesse die Zinsen zu senken. Tatsächlich könnte der jüngste Senkungszyklus sogar beendet sein, so legt es jeden- falls das soeben veröffentlichte Sitzungsprotokoll nahe. Es herrscht allgemein viel Unsicherheit in der Weltwirtschaft, welche sich schlecht in klare Prognosen einbetten lässt. Die Bank of England wird künftig also zurückhaltend agieren wollen wird. Mit jedem Tag mehr, den die Straße von Hormus blockiert ist und folglich die Energiepreiskomponenten der nationalen Vebraucherpreisindizes nach oben treibt, sinkt die Wahrscheinlichkeit von zeitnahen Zinssenkungen. Dies betrifft auch die britische Volkswirtschaft, welche jüngst ebenfalls eine vergleichs- weise hohe Inflationsrate von 0,7% im Vergleich zum Vormonat veröffentlichte. Dies ist der zweithöchste Wert seit fast drei Jahren, nur übertroffen von dem Kurzfristschock nach dem von US-Präsident Trump ausgerufenen „Liberation Day“. Die Mitglieder des MPC haben demnach mit acht Stimmen für einen Ver- bleib des derzeitigen Leitzinsniveaus auf 3,75% gestimmt. Huw Pill hätte die Bank Rate sogar um 25 Ba- sispunkte angehoben. Dies sollte zwar nicht überbewertet werden, da Pill eher als leicht restriktiver Geld- politiker in Erscheinung getreten ist. In Summe hat das Gremium aber klar gemacht, dass die Zeit gegen eine baldige Lockerungspolitik spielt und schließt eine Anhebung bei der nächsten Sitzung nicht aus. Die Notenbanker aus London treibt die Sorge vor Zweitrundeneffekten um. Einerseits steigen die Preise an den Ladentheken und Zapfsäulen und natürlich auch bei diversen Vorprodukten von Industrie und Dienstleistern. Andererseits ist die Arbeitslosenquote jüngst überraschend gesunken, auch wenn sich die Arbeitsmarktindikatoren in Summe etwas uneinheitlich zeigten. Übersetzt heißt dieser Mix aus einer dy- namischen Inflationsrate und eines möglicherweise erstarkenden Arbeitsmarktes, dass das Schreckge- spenst der Lohn-Preis-Spirale wieder spukt. Für viele Notenbanker ein regelrechtes Horroszenario, die Briten waren hier im westeuropäischen Vergleich allerdings auch leidgeplagt. Die Historie gemahnt dem- nach zur Vorsicht, auch wenn die mutmaßliche Preisentwicklung eher einem Worst-Case Szenario ent- sprechen dürfte. Die Devise ist sodann lieber zeitig entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und den Zins anzuheben, als die Güterpreise aus dem Ruder laufen zu lassen – bei der nächsten Zinssitzung ist alles möglich, in sieben Wochen kann allerdings auch viel passieren.
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