Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Sortenempfehlungen 2026/27 – Winterfuttergerste Sachsen; BYDV-Ryd2/Ryd4 vermindern Virusrisiko
Titel Fachbeitrag
Autoren: Martin Sacher, Maik Panicke, Dr. Ulf Müller, Michael Sorms, Samuel Franz; Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; Abteilung 9; Referat 93; Telefon: 035242 631 7209; E-Mail: Martin.Sa- cher@lfulg.sachsen.de; Redaktionsschluss: 05.08.2026: www.lfulg.sachsen.de 1
Sortenempfehlungen 2026/27 - Winterfuttergerste
Hinweise zur Fruchtart Der Anbauumfang von Wintergerste in Sachsen hat sich zum Vorjahr kaum verändert. Dieser betrug 2026 ca. 88.200 ha (Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen). Der größte Teil der angebauten Win- tergerste wird für Futterzwecke genutzt. Aus dem Blickwinkel der Sortenwahl werden neben möglichst stabilen Erträgen, ausgewogen gute agro- nomische Eigenschaften für die Risikominderung immer wichtiger. Vorteilhaft ist der Anbau mehrerer Sorten mit differenzierten Reife- und Anbaueigenschaften. Für Betriebe, die Futtergerste vermarkten, bleibt das sortentypische Hektolitergewicht ein wichtiges Ent- scheidungskriterium bei der Sortenwahl, da es eine hohe genetische Fixierung aufweist. Höher einge- stufte Sorten ermöglichen im Sortenvergleich meist auch höhere Hektolitergewichte. Um Virusbefall vorzubeugen bzw. zu reduzieren sollte im Herbst eine nicht zu frühe Aussaat angestrebt, bzw. diese auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Bei erhöhtem Virusrisiko war bisher die insektizide Blattlausbekämpfung eine Standardmaßnahme. Mit der Zulassung von Sorten mit Re- sistenzgen gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV, Resistenzgen Ryd2 bzw. Ryd4) gibt es mittlerweile einen weiteren Baustein für die Risikominderung in Wintergerste. Insbesondere bei früheren Saatterminen sollten Sorten mit entsprechenden Resistenzgenen in die betriebliche Sortenentschei- dung einbezogen werden. Schneeschimmel und Gerstenflugbrand sind ebenfalls bestehende Problembereiche. Bei Gerstenflug- brand ist auf möglichst befallsfreie Vermehrungsherkünfte zu achten. Das Risiko von Schneeschimmel und Flugbrand kann durch eine geeignete Beizausstattung und -qualität reduziert werden. Im Bereich der Blattgesundheit sollten neben den Hauptkrankheiten Rhynchosporium, Netzflecken, Zwergrost und Mehltau die Entwicklungen bei Ramularia aufmerksam beobachtet werden. In unserer Region nimmt die Bedeutung dieser Abreifekrankheit, insbesondere in feucht-warmen Jahren, zu. Aussagen zur Winterfestigkeit der aktuell geprüften Sorten sind gegenwärtig nicht möglich. Die Gefahr von Spätfrösten erfordert ein Überdenken der Saattermine. Frühe Saattermine sollten nur den unbedingt notwendigen Umfang im Betrieb einnehmen. Insbesondere bei Sorten mit frühem Ähren- schieben sind frühe Saattermine zu vermeiden. In den tabellarisch dargestellten Sorteneigenschaften werden sowohl die Differenzierung der Sorten in der Reife als auch im Ährenschieben dargestellt.
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