Fraunhofer ITEM Forscher prüfen tierversuchsfreie Aerosole erhitzter Haarprodukte in Hannover; In-vitro-Inhalationsmethode ermöglicht realistische Risikoeinschätzung
Haarstyling-Produkte tierversuchsfrei testen
August 2026 Seite 1 | 3 Forschung Kompakt — Arbeitssicherheit in Friseursalons Haarstyling-Produkte tierversuchsfrei testen Haarprodukte in Friseursalons setzen Aerosole frei, die beim Einatmen zu Atemwegsreizungen führen können. Im Industrieauftrag haben Forscherin- nen und Forscher am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM die Wirkung von Aerosolen untersucht, die bei der Anwen- dung von erhitzten chemischen Produkten zur Haarbehandlung entstehen. Mit einer innovativen zellbasierten In-vitro-Inhalationsmethode sind die For- schenden in der Lage, respiratorische Effekte einzuschätzen und potenziell schädliche Substanzen zu identifizieren. Das tierversuchsfreie Verfahren un- terstützt die sichere Produktentwicklung – ganz im Sinne des Safe-by-De- sign-Ansatzes, bei dem Sicherheit von Beginn an in die Produktentwicklung integriert wird. Friseurinnen und Friseure sind bei ihrer täglichen Arbeit einatembaren Materialien wie chemi- schen Dämpfen oder feinsten Partikeln in der Luft ausgesetzt. Die Inhalation der Aerosole, die bei der Anwendung von Haarprodukten freigesetzt werden, kann unter Umständen das Wohlbefinden und die allgemeine Arbeitssicherheit beeinflussen. Doch bislang fehlten Metho- den, um die gesundheitlichen Auswirkungen der Aerosole auf die Atemwege nachzuweisen. Welche Rolle spielt die Produktzusammensetzung? Hat die Art der Anwendung einen Einfluss auf etwaige gesundheitliche Risiken? Welche Auswirkung hat die Menge der freigesetzten Aerosole? All dies konnte mit den bislang verfügbaren Methoden nicht untersucht und aufge- klärt werden. Aufgrund von EU-Regularien dürfen für toxikologische Untersuchungen bei Kosmetika ausschließlich Methoden ohne Tierversuche angewandt werden. Daher sind für diese Zwecke alternative Methoden erforderlich. Eine solche Methode haben Forschende am Fraunhofer ITEM in Hannover mit einem zellbasierten In-vitro-Inhalationsansatz etabliert, mit dem sie der Industrie dabei helfen, Produkte sicher im Sinne von Safe-by-Design zu ent- wickeln und den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Produkte noch vor der Markteinführung optimieren Mithilfe der In-vitro-Inhalationsmethode arbeiteten die Expertinnen und Experten im Industrie- auftrag an der Aufklärung der respiratorischen Wirkungen von erhitzten chemischen Haarbe- handlungsprodukten, die zur dauerhaften Glättung der Haare eingesetzt werden. Die feuchte Chemikalie wird dabei auf die Haarsträhnen aufgetragen und anschließend bei etwa 200 Grad Celsius mit einem Glätteisen über das Haar gezogen, wobei Aerosole freigesetzt wer- den, die möglicherweise Atemwegseffekte bei Friseurinnen und Friseuren auslösen können. Während einige Produkte in der Praxis ein höheres Potenzial für solche Effekte zeigten, konnte bislang kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Produkt und Anwendungs-
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